Geschichte der Republik Moldau

 

Die Republik Moldau ist ein Staat in Südosteuropa. Sie grenzt im Westen an Rumänien und im Norden, Osten und Süden an die Ukraine.

Das Gebiet der heutigen Republik Moldau wurde im Altertum von verschiedenen Völkern besiedelt. Seit der zweiten Hälfte des 14.Jahrhunderts existierte in diesem Gebiet das Fürstentum Moldau. Der bedeutendste der spätmittelalterlichen moldauischen Fürsten war Ştefan cel Mare (Stefan der Große). Er leistete Widerstand gegen das Osmanische Reich und machte das Fürstentum Moldau in ganz Europa bekannt. Mit seiner Herrschaft (1457-1504) wird die Blütezeit des Fürstentums Moldau verbunden. Im 16. Jahrhundert wurde das Fürstentum Moldau gezwungen, die Oberhoheit des Osmanischen Reiches anzuerkennen.

Nach dem Russisch-Türkischen Krieg 1787-1792 musste das Osmanische Reich mit dem Friedensvertrag von Iaşi alle Besitzungen östlich des Nistru – ein Fluss in der Republik Moldau – an Russland abtreten. So entstand, nach dem 6. Russisch-Türkischen Krieg von 1806 bis 1812 durch den Friedensvertrag von Bukarest, Bessarabien (benannt nach dem walachischen König Basarab I). Das Gebiet wurde als Gouvernement (Gubernie) Bessarabien errichtet und umfasste die Landschaft zwischen den Flüssen Prut und Nistru und damit etwa  die östliche Hälfte des bisherigen Fürstentums Moldau. Obwohl Bessarabien in den ersten Jahrzehnten nach der Annektierung eine relativ weitgehende Autonomie zugesprochen bekam, traf die zaristische Regierung alsbald Maßnahmen, um das neu annektierte Gebiet vollständig in das Russische Reich zu integrieren. 1828 wurde die Autonomie Bessarabiens aufgehoben und die Russifizierung der Verwaltung, der Schule und der Kirche begann.

Nach der Niederlage des Russischen Reiches im Krimkrieg 1853-1856 wurden drei südliche Bezirke von Bessarabien (Ismail, Bolgrad, Cahul) an das Fürstentum Moldau zurück gegeben. 1859 wurde Alexandru Ioan Cuza zum Fürsten, sowohl Moldaus als auch der Walachei gewählt, wodurch die Fundamente eines rumänischen Staates gelegt wurden. Durch den Vertrag von Berlin, der am Ende des Russisch-Türkischen Kriegs im Jahr 1878 die Friedensordnung in Südosteuropa regelte, musste die rumänische Regierung das südliche Bessarabien wieder an Russland abtreten.

Nach dem Fall der russischen Monarchie im Jahr 1917 nach der Oktoberrevolution, wurde in Bessarabien am 2. Dezember 1917 die Moldauische Demokratische Republik proklamiert.
Am 27. März 1918 wurde die Vereinigung mit Rumänien beschlossen und Bessarabien wurde in Großrumänien eingegliedert.
Im Jahr 1924 wurde das Gebiet östlich vom Fluss Nistru zur Moldauischen Autonomen Sozialistischen Sowjetrepublik (MASSR) erklärt. Mit der Gründung der MASSR bezweckte die Sowjetregierung in erster Linie die Aufrechterhaltung ihres Gebietsanspruches auf ganz Bessarabien und erklärte hierzu auch einige ukrainische Gebiete zu moldauischem Staatsgebiet, was dazu führte, dass der Bevölkerungsanteil ethnischer Rumänen zeitweise bis auf 30% sank.

Das zu Rumänien gehörige Gebiet Bessarabiens und die nördliche Bukowina wurden im Juni 1940 mit deutscher Zustimmung als Konsequenz des geheimen Zusatzprotokolls des Hitler-Stalin Paktes von sowjetischen Truppen besetzt und von der UdSSR annektiert.
Am 2. August 1940 wurde die Moldauische Sozialistische Sowjetrepublik mit Chişinău als Hauptstadt gegründet, indem man Bessarabien mit einem Teil der Moldauischen ASSR vereinigte. Durch die Gründung der Moldauischen SSR war Bessarabien nun abermals geteilt, was seine historische und wirtschaftliche Integrität ernsthaft beschädigte. Mehrere südliche Gebiete und damit die Zugangswege zum Schwarzen Meer über die Mündungen der Donau und Bukovina im Norden wurden an die Ukraine abgetreten und machten somit aus der Republik Moldau einen Binnenstaat.

Am 22. Juni 1941 wurde das Territorium der Moldauischen SSR durch deutsche und rumänische Truppen angegriffen. Dadurch konnte Rumänien im Sommer 1941 Bessarabien und die nördliche Bukowina zurückgewinnen. Das Land zwischen den Flüssen Nistru und Südlicher Bug verwaltete Rumänien dann unter dem Namen Transnistria. Am Ende des Zweiten Weltkrieges fielen Bessarabien, das Herza-Gebiet und die nördliche Bukowina wieder an die Sowjetunion und es wurden erneut die früheren sowjetischen Verwaltungseinheiten und russischen Ortsnamen eingeführt.
Im Zuge der Sowjetisierung des Landes wurden 1949/50 rund 7 % der moldauischen Bevölkerung in die Sowjetunion deportiert und dort als verbannte Sondersiedler ihrer Freiheit beraubt. Die Deportationen betrafen in erster Linie die Intellektuellen und die reichere Bevölkerungsschicht. Die russische Sprache wurde als Staatssprache eingeführt, die lateinische Schreibweise verboten und anstelle dessen für die rumänische Sprache die russische Schrift eingeführt, die rumänische Sprache wurde kurzum zur moldauischen Sprache.

Am 27. August 1991, während des Zerfalls der UdSSR, erklärte die Republik Moldau ihre Unabhängigkeit. Erste Konflikte zwischen der Zentralregierung in Chişinău und den überwiegend von ethnischen Minderheiten bewohnten Gebieten Transnistrien und Gagausien gab es bereits 1989, nach dem die Moldauische Sprache mit lateinischen Buchstaben zur einzigen Staatssprache der MSSR erklärt und der bisher dominanten russische Sprache lediglich der Status einer Sprache der interethnischen Kommunikation zugestanden wurde.

Im Jahre 1992 eskalierte der Konflikt mit Transnistrien zu einem Krieg. 1994 bot die moldauische Regierung Gagausien einen Autonomiestatus innerhalb der Republik Moldau an. Dieser Autonomiestatus wurde auch dem abtrünnigen Landesteil Transnistrien angeboten, was aber von dem De-facto-Regime unter dem selbsternannten Präsidenten Igor Smirnov abgelehnt wurde. Der seit der Unabhängigkeit der Republik Moldau ungelöste Transnistrien-Konflikt beeinflusst weiterhin die Entwicklung des Landes. Die internationale Gemeinschaft bekennt sich zur territorialen Integrität der Republik Moldau.
Seit 1993 gibt es Verhandlungen zur Lösung des Transnistrien-Konflikts. Am Verhandlungsprozess nehmen außer den Vertretern Chişinăus und Tiraspols die OSZE, Russland und die Ukraine als Vermittler teil. Seit März 2006 wird eine gemeinsame Vereinbarung über die Zollabfertigung und die Regelung des Warenverkehrs von und nach Transnistrien zwischen der Republik Moldau und der Ukraine umgesetzt. Im transnistrischen Landesteil gibt es weiterhin russische Truppen und Waffenbestände (ca. 1.250 russische Soldaten: etwa 550 Mann bei der trilateralen Friedenstruppe gemäß dem Waffenstillstandsabkommen von 1992; der Rest zur Bewachung der Restmunitionsbestände aus sowjetischer Zeit, die sich derzeit noch auf etwa 20.000 Tonnen Munition belaufen).
Am 28. November 2010 fanden erneut vorgezogene Parlamentswahlen statt, nach dem die am 5.April sowie am 29. Juli 2009 gewählten Parlamente wegen gescheiterter Präsidentschaftswahlen aufgelöst worden waren.
Ins Parlament gewählt wurden die Kommunistische Partei (PCRM, 42 Sitze), die Liberal-Demokratische Partei (PLDM, 32 Sitze), die Demokratische Partei (PDM, 14 Sitze) sowie die Liberale Partei (LP, 12 Sitze). Im Anschluss an die Wahlen gründeten die Liberal-Demokratische Partei, die Demokratische Partei und die Liberale Partei erneut eine Regierungskoalition unter dem Namen „Allianz für die Europäische Integration (II)“. Die Kommunistische Partei blieb in der Opposition.
Auch nach dieser Wahl hat die Koalition (59 Sitze) nicht die für eine Präsidentschaftswahl erforderliche Mehrheit (61 Sitze). Ein Referendum für eine Volkswahl des Staatspräsidenten scheiterte im September 2010 durch den erfolgreichen Boykottaufruf der Opposition. Durch die geringe Wahlbeteiligung war das notwendige Quorum nicht zustande gekommen. Bis zur Wahl eines Staatspräsidenten nimmt der Parlamentspräsident die Aufgaben des Staatspräsidenten kommissarisch wahr.
Mehr Information über die aktuelle politische Lage in der Republik Moldau finden Sie im folgenden Bericht:
http://www.kas.de/moldawien/de/publications/19419/